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Dem Unrecht auf der Spur

Bibliothek der Alten

Dem Unrecht auf der Spur

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10.03.2013

Einladung zur Filmpremiere
„Dem Unrecht auf der Spur. Der Richter Helmut Kramer“

ein Film von Lucie Herrmann

eine Veranstaltung im Rahmen der Bibliothek der Alten

Liebe Autorinnen und Autoren,

liebe Freundinnen und Freunde der Bibliothek der Alten, sehr geehrte Damen und Herren,

Sie sind herzlich eingeladen, am Sonntag, den 10. März 2013 um 11 Uhr mit uns die Premiere des filmischen Porträts über Dr. Helmut Kramer, Autor der Bibliothek der Alten, zu feiern.

Der Filmemacherin Lucie Herrmann ist ein einfühlsames und dichtes Portrait des ehemaligen Richters und Gründungsmitglied des Forums Justizgeschichte gelungen, in dem Helmut Kramers justizgeschichtliches und demokratisches Engagement gewürdigt und seine Verdienste um die Aufarbeitung der NS-Justiz dargestellt werden. Gleich zu Beginn des Films legt Helmut Kramer offen, was ihn antreibt: „Ich kann kein Unrecht ertragen.“ Mit seiner richterlichen Tätigkeit allein hat er sich deshalb nie zufrieden gegeben. Mit Unrechtsurteilen konfrontiert, erwirkte er in oft mehrjährigen und zermürbenden Verfahren deren Aufhebung und stellte unablässig die Frage nach der Schuld und Verantwortung der juristischen Schreibtischtäter. Bis heute beschäftigt sich Helmut Kramer mit der nationalsozialistischen Justiz und ihrer langen Nachgeschichte sowie den personellen Kontinuitäten in der Bundesrepublik. Besonders wichtig ist ihm hier der Bezug zur Gegenwart einer juristischen Methodik, die das Recht einst zum Instrument totalitärer Systeme werden ließ.

Im Anschluss an den Film findet eine Podiumsdiskussion zur Rolle und gesellschaftlichen Verantwortung von Juristen statt.

Mit Dr. Helmut Kramer, Richter a.D.
Barbara Kramer, politisch engagierte Rechtsanwältin und Ehefrau Helmut Kramers
Dr. Rudolf Kriszeleit, Staatssekretär im Hessischen Ministerium der Justiz, für Integration und Europa
Michael Plöse, Arbeitskreis kritischer Jurist_innen an der Humboldt-Universität Berlin
Marei Pelzer, rechtspolitische Referentin von Pro Asyl (angefragt)
Moderation: Guido Kirchhoff, Richter am Oberlandesgericht Frankfurt am Main

Die „Bibliothek der Alten“ ist ein von der Künstlerin Sigrid Sigurdsson ins Leben gerufenes generationenübergreifendes Erinnerungsprojekt, das im historischen museum frankfurt beheimatet ist.

Filmpremiere „Dem Unrecht auf der Spur. Der Richter Helmut Kramer“
am 10. März 2013, 11 Uhr
im
historischen museum frankfurt
Fahrtor 2
60311 Frankfurt am Main

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Angela Jannelli

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Klappentext

Klappentext für die Filmpremiere am 10. März 2013 könnne Sie hier herunterladen

Wo die Justiz blind ist – Der „Kampf um die Erinnerung“ in Justiz und im historischen Gedenken

Sonntag, 10. März 2013, 11.00 Uhr

findet im Historischen Museum Frankfurt die Premiere des Films „Dem Unrecht auf der Spur. Der Richter Helmut Kramer“ statt.

Mit seiner beruflichen Tätigkeit als Richter und Hochschullehrer hat Helmut Kramer sich nie zufrieden gegeben. Als Bürger in einer Demokratie sah er sich verpflichtet, aktiv auch in die Rechtspolitik einzugreifen. Als Historiker ist sein Hauptforschungsgebiet bis heute die nationalsozialistische Justiz und ihre lange Nachgeschichte in der Bundesrepublik, dies immer wieder auch mit Bezug zur Gegenwart einer juristischen Methodik, die das Recht einst zum Instrument totalitärer Systeme werden ließ. Deshalb scheut er nicht den Gang auch an die breite Öffentlichkeit, unbeirrt von den Anfeindungen derer, die die Vergangenheit lieber in den Archiven ruhen lassen möchten und sich wegen ihres Rückfalls in eine beschwichtigende Vergangenheitspolitik nicht gern einen Spiegel vorhalten lassen.

Helmut Kramer sorgte für die Aufarbeitung personeller Kontinuitäten. Als er die Doktorarbeit seines eigenen Justizministers Hans Puvogel (mit der Forderung der „Ausmerzung und Ausrottung aller Minderwertigen“) im Jahre 1978 ans Tageslicht brachte, handelte er sich ein Disziplinarverfahren ein. Um es auch sonst nicht bei der juristischen Theorie zu belassen, beteiligte er sich am 12. Januar 1987 mit anderen KollegInnen an der Richterblockade in Mutlangen und wurde deshalb anfangs wegen Nötigung verurteilt.

Mittels einer Selbstanzeige, die zunächst zu seiner Verurteilung wegen altruistischer Rechtsberatung führte, brachte er das nationalsozialistische Rechtsberatungsgesetz von 1935 erst vor das Bundesverfassungsgericht und dann vor den Deutschen Bundestag, der im Jahre 2007 das NS-Gesetz aufhob. Als im September 2009 der Bundestag endlich die „Kriegsverräter“ rehabilitierte, wurden die dazu unentbehrlichen Vorarbeiten Wolfram Wettes und Helmut Kramers im Bundestag anerkennend hervorgehoben.

Die wohl folgenschwerste Aktion Kramers war sein Aufsatz über die Beteiligung von Juristen an der „Aktion T 4“, über das von Fritz Bauer in Frankfurt betriebene Verfahren gegen die an der Legitimierung der „Euthanasie“ beteiligte NS-Juristenprominenz. Zugleich brachte er ans Tageslicht die klammheimliche Veruntreuung dieser Hinterlassenschaft Fritz Bauers durch dessen Nachfolger. Um darüber überhaupt berichten zu können, mußte er zuvor nahezu fünf Jahre um den wenigstens teilweisen Zugang zu den Akten der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt kämpfen. Die Erschwerung des Zugangs zu Archiven begleitet seine Forschungen bis heute. Bei aller heutigen großen Hilfsbereitschaft der größeren staatlichen Archive wird jetzt die Nutzung sogar des Archivs der von ihm gegründeten Gedenkstätte verweigert.

Helmut Kramer war Gründungsvorsitzender des Forum Justizgeschichte, in dem sich viele an einer auch gegenwartsbezogenen Rechts- und Justizgeschichte Interessierte zusammengefunden haben und das sich vor allem auch an die mit einer zunehmend rechtstechnokratisch ausgerichteten Juristenausbildung konfrontierte nachwachsende Juristengeneration wendet.

Wenn das Leben Helmut Kramers als juristischer und historischer Akteur nicht zuletzt im Bereich der juristischen Zeitgeschichte zum Gegenstand eines Films und einer die Filmaufführung begleitenden Ausstellung gemacht wird, wird damit ein wichtiges Stück zur Anschauung gebracht. Zu denjenigen, die über die Unrechtsherrschaft der Jahre 1933 bis 1945 noch aus eigener Zeitgenossenschaft berichtet haben, gesellt sich damit ein Zeitzeuge hinzu, der nicht zuletzt als Akteur die Auseinandersetzung um die NS-Justiz und die Konflikte um Schuld und Verantwortung der juristischen Schreibtischtäter und um die Konsequenzen für die juristische und politische Bildung in eigener Person miterlebt und miterlitten hat. Deshalb sieht er in dem Bewirkten kein eigenes Verdienst. Der Anlaß zu seinen Initiativen ist ihm, so sagt er, einfach zugeflogen. So zufällig, wie er im Jahre 1965 ein Todesurteil des Sondergerichts Braunschweig zu analysieren hatte und wie die Anschuldigungsschrift Fritz Bauers gegen die NS-Juristen rein beiläufig über seinen Schreibtisch lief. Mitgewirkt haben auch alle, die die Offenlegung der Defizite in der deutschen Erinnerungslandschaft nicht ertragen konnten und durch die Heftigkeit ihrer Abwehr wiederholt die Unfähigkeit zum Trauern unfreiwillig zum Gegenstand mehrerer Gerichtsverfahren bis hin zu der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts über das NS-Rechtsberatungsgesetz machten. Helmut Kramer hat eine Hoffnung, dass eine Erkenntnis vermittelt wird: Wer sich nicht frühzeitig, also noch unter dem heiteren Himmel von Rechtsstaat und Demokratie in notwendigem Widerspruch übt, wird zu Verweigerung und Widerstand unter einem autoritären Regime erst recht weder fähig noch bereit sein.

Die „Bibliothek der Alten“ – eine Einrichtung des Historischen Museums Frankfurt – versammelt etwa 65 überwiegend Frankfurter Autorinnen und Autoren im Alter von 50 bis 100 Jahren. Mit historischen oder biographischen Beiträgen, mit Tagebüchern und wissenschaftlichen Beiträgen und Veröffentlichungen ihrer Forschungsarbeiten, aber auch mit Fotos, Tonbändern und Filmen. Die Verbindung Helmut Kramers mit der Frankfurter Zeitgeschichte ergibt sich vor allem aus seiner Doktorarbeit über den Fraktionszwang in der Frankfurter Nationalversammlung und dem anderen deutschen Frühparlamentarismus sowie aus der Fortsetzung der Anstrengungen Fritz Bauers, die Beteiligung der nationalsozialistischen Juristenprominenz am Anstaltsmord aufzuklären und an die Öffentlichkeit zu bringen.

 

Die Filmpremiere findet im Rahmen einer Matinee in Frankfurt statt, am

10. März 2013, 11.00 Uhr,
Historisches Museum Frankfurt,
Fahrtor 2

 Anschließend diskutieren Juristen und Historiker, sämtlich Wegbegleiter von Helmut Kramer über den Film und seine Aussagen.

 
Zugleich wird im Historischen Museum eine kleine Ausstellung über das Leben und Wirken Helmut Kramers eröffnet.