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Willi Geiger

Willi Geiger – Vom glühenden Antisemiten, Menschenrechtsverächter und Staatsanwalt am NS-Sondergericht an die Spitze der bundesdeutschen Justiz

 Willi Geiger
* 22.05.1909 in Neustadt / Weinstraße
+ 19.01.1994 in Karlsruhe
Jurist, Dr. jur., Staatsanwalt am Sondergericht Bamberg, Senatspräsident am BGH, Richter am BVerfG, Präsident des 81. Deutschen Katholikentages und Träger des Komturkreuzes mit Stern des Ordens vom Heiligen Gregor dem Großen

Der Fall Willi Geiger stellt alle anderen Fälle personeller Kontinuität von NS-Schreibtischtätern in den Schatten. Schon die NS-Belastung ist gravierend. Aber auch in seinem Wirken nach 1945 übertrifft Willi Geiger mit seinem großen Einfluss als Bundesrichter und als Richter am Bundesverfassungsgericht alles, was andere NS-Täter in der Bundesrepublik an Unheil angerichtet haben. Und von den tausenden ehemaliger NS-Juristen hat es kein anderer so erfolgreich wie Willi Geiger verstanden, seine Vergangenheit nicht nur vergessen zu machen, sondern sogar gelobt und gefeiert zu werden.

 


Ein vielseitiger Jurist – Willi Geiger (1909 - 1994)

Am 19. Januar 1994 verstarb in Karlsruhe im Alter von 84 Jahren Bundesverfassungsrichter a.D., Senatspräsident am Bundesgerichtshof a.D. Professor Dr. Willi Geiger. Geiger gehörte sowohl dem Bundesgerichtshof (ab 1950, als Senatspräsident ab 1951) als auch dem Bundesverfassungsgericht (10 Jahre lang in dieser Doppelfunktion) als "Mann der ersten Stunde" an. Sowohl von der einzigartigen 26jährigen Amtsdauer (1951 - 1977) als auch vom Einfluß her gehörte er zu den bedeutendsten Richtern des Bundesverfassungsgerichts. Man nannte ihn gern den „heimlichen Vorsitzenden“ des Zweiten Senats oder auch einfach den „starken Mann in Karlsruhe“.

Geiger wird von denen, die ihn kannten, als eindrucksvolle .... Der gesamte Text kann hier als PDF-Datei heruntergeladen werden

Vgl. Helmut Kramer, Ein vielseitiger Jurist. Willi Geiger (1909 – 1994), Kritische Justiz 1994, S. 232 ff; siehe auch http://www.kj.nomos.de/?id=2679

 


 

Geigers Gegenangriff gegen seine publizistischen Widersacher, der an Deutlichkeit und Beschimpfung seiner Kritiker nichts fehlen ließ. Dies geschah in einem Artikel („Der mißglückte Rufmord. Die Angriffe auf Professor Willi Geiger und ihre Hintergründe“) in der in Würzburg erschienenen Deutschen Tagespost. (Vgl. Deutsche Tagespost v. 26.7.1966, S.2).

In der Hast, in der Geiger seine Attacke gegen seine Kritiker in der Süddeutschen Zeitung[1] und Frankfurter Rundschau[2] führte, sind ihm einige befremdliche Sätze unterlaufen, die man hoffentlich nicht wörtlich nehmen darf. Jedenfalls bezeichnete er die in seiner Doktorarbeit erscheinenden Worte vom „kulturverletzenden Einfluss der jüdischen Rasse auf dem Gebiet der Presse“ als „Tatsachenschilderung“. Dazu bekräftigte er die schon in seiner Dissertation anklingende „Austauschbarkeit“ der Begriffe „jüdisch“ und „liberalistisch“..

Weil er sich mit einer solchen Schimpfkanonade und Mentalität als Richter endgültig unmöglich gemacht hätte, ließ Geiger allerdings den Artikel von Erwin Stindl (Chefredakteur und einzige Redakteur an der Deutschen Tagespost) zeichnen. Was Willi Geiger in der Eile seines zu Papier gebrachten Wutausbruchs aber übersehen hatte, war die Unvorsichtigkeit, dass der angebliche Autor Stindl aus dem nur Willi Geiger ohne weiteres zugänglichen Manuskript der Doktorarbeit von 1941 zitieren konnte, womit Geiger sich unfreiwillig als wirklicher Autor geoutet hatte.

Der Artikel der Tagespost kann hier als PDF-Datei heruntergeladen werden.

[1]       SZ v. 18. Juli 1966 („Das abgründige in Professor Geiger. War der Kirchentagspräsident wirklich ein ‚so leidenschaftlicher Gegner des Nationalsozialismus‘?“) sowie in einer kürzeren Notiz SZ v. 16./17. Juli 1966.

[2]        FR v. 19. Juli 1966 („Ein neuer Skandal in der Residenz des Rechts“). – Weitere ebenso kritische Artikel erschienen in DER SPIEGEL 32/1966, v. 1.8.1966, S. 25 ff („Pflicht zur Wahrheit“) und im Vorwärts vom 27. Juli 1966 („Des Geigers braune Weste“). – Der SPIEGEL-Artikel erwähnte die Möglichkeit, die Wahl Willi Geigers wegen Täuschung anzufechten (nach § 105 BVerfGG kann das BVerfG auch den Bundespräsidenten ermächtigen, einen BVerfG-Richter zu entlassen, wenn er sich eines Verhaltens schuldig gemacht hat „daß sein Verbleiben im Amt ausgeschlossen ist“.